Kinder und Chat – wie Eltern damit umgehen sollten

Kinder, die das Internet erkunden, stoßen früher oder später einmal auf Chatrooms. Manche landen zufällig auf Seiten, die einen Kinderchat anbieten, und werden dann neugierig. Andere – vor allem, wenn es sich um junge Teens handelt – suchen gezielt nach der Aufregung, die ihnen das Gefühl der Kontaktaufnahme mit potenziellen neuen Freunden anderen Geschlechts gibt. Schnell hat man sich  angemeldet – und meist dauert es dann nicht mehr lange, bis man angesprochen und ins das Gespräch integriert wird. Nicht selten kommt es zu regenmäßigen Online-Verabredungen, die im Zweifelsfall fatal enden können.

Was Eltern wissen sollten: Lassen Sie Ihr Kind niemals mit dem Internet allein. Das bedeutet nicht, dass sie stets gegenwärtig sein müssen, wenn Ihr Nachwuchs surft. Bleiben Sie aber in Bezug auf dieses Thema mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter in engem Kontakt und sprechen Sie regelmäßig mit ihm/ihr über die im Netz gesammelten Erfahrungen. Halten Sie sich mit Verboten zurück, sondern setzen Sie lieber auf Aufklärung. Das was Sie den Kids über den nur vermeintlich lieben Onkel, der auf der Straße mit Süßigkeiten lockt, erklärt haben, gilt definitiv auch für das Internet.

Die verzwickte Problematik, die sich dabei jedoch ergibt, ist folgende: Während man seinen Kindern durchaus einimpfen kann, dass der Kontakt zu Fremden auf den Schulweg etc. tabu ist, geht es in Chats ja gerade um den Kitzel, mit Unbekannten in Kontakt zu treten und seinen Freundeskreis zu erweitern. Vor allem heranwachsende Mädchen, die zur Schüchternheit neigen, nutzen Chatrooms, um erste Flirtversuche zu starten und fühlen sich geschmeichelt, wenn Sie Bestätigung in Form von Komplimenten von einem männlichen – vielleicht sogar älteren – Chatpartner bekommen.

Es braucht nicht viel Medienkompetenz, um eine goldene Regel zu beachten: Chats sind niemals zu 100% kindersicher! Selbst, wenn es strenge Sicherheitsvorkehrungen gibt, die seitens der Administratoren gewissenhaft umgesetzt werden, können nicht alle Gespräche gleichzeitig und ständig überwacht werden. Welche Identitäten hinter den Nicks stecken, also ob sich hier ein 50-jähriger Pädophiler als 17-jähriger Boy ausgibt, können zudem auch die Chatbetreiber nicht wissen. Lenkt dieser das Gespräch so geschickt, dass das Mädchen sogar seine Handynummer oder Mail-Adresse herausgibt, läuft die Kommunikation zudem über Kanäle, die selbst von Eltern schlecht überwacht werden können.

Spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind ein mögliches Szenario durch. Erklären Sie, wie Kinderschänder vorgehen, indem sie in die Rolle von Gleichaltrigen schlüpfen und unter Umständen sogar falsche Fotos verschicken, um glaubhaft zu wirken. Stellen Sie auch deutlich heraus, dass bereits bei Fragen nach der Farbe der Unterwäsche etc. der Spaß vorbei ist und unbedingt Handlungsbedarf besteht. Schildern Sie vielleicht auch ein entsprechendes Kinderschicksal, damit Ihr Nachwuchs den Verlauf solcher Online-Fallen nachvollziehen kann. Und: Nehmen Sie Ihrem Kind das Versprechen ab, dass es niemals persönliche Informationen, weder Namen noch Adresse sowie weitere Kontaktdaten, preisgibt.