Computersucht bei Kindern: Wenn der PC den Alltag bestimmt
In Zeiten, in denen das Internet eine immer größere Rolle in unserem Alltag spielt, geht bei Eltern und anderen Erziehungsberechtigten die Angst vor der Computersucht um. Dass der eigene Sohn oder die eigene Tochter abhängig vom Computer werden kann, dass er oder sie ohne Kinderspiele online nicht mehr froh wird – das sind häufig die Befürchtungen der Erwachsenen. Viele zögern daher lange, bevor sie dem Nachwuchs einen eigenen Zugang ins Netz zur Verfügung stellen. Doch ist diese Angst vor der Computer- und Internetsucht wirklich berechtigt?
Grundsätzlich ist niemand vor einer Sucht gefeit – dies gilt natürlich auch für die Computersucht. Ein generelles Verbot würde wenig nützen: Schließlich geht es darum, die Kinder dahingehend zu sensibilisieren, dass zwischen dem Bedürfnis, den PC zu nutzen, und dem Interesse für andere Aktivitäten ein ausgewogenes Verhältnis entsteht. Einen verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien lernen Kinder keineswegs, indem Eltern versuchen, ihnen diese vorzuenthalten. Zudem kann man Internet und Co. heutzutage kaum mehr ausweichen. Prävention ist hier vielmehr ein Zusammenspiel aus Aufklärung, Kontrolle und dem Aufzeigen von Alternativen.
Kinder, die viele soziale Kontakte pflegen, und von ihren Eltern ein abwechslungsreiches Angebot an Aktivitäten bekommen, sind weniger gefährdet, eine Computersucht oder Internetabhängigkeit zu entwickeln. Denn für sie ist der PC immer nur eine von vielen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, die vor allem bei schlechtem Wetter an Bedeutung gewinnt. Wenn draußen die Sonne scheint und sich die Clique in der Eisdiele trifft oder die Eltern einen Besuch im Freibad vorschlagen – welches Kind würde da wohl noch den Computer vorziehen? Problematischer wird es, wenn viele aus dem Freundeskreis gleichzeitig anfangen, zum Beispiel ein Rollenspiel online zu zocken, und ein Kind dann nicht mehr davon ablassen kann.
Die Grenzen zwischen noch akzeptablen Computerkonsum und Computersucht sind fließend; einen allgemeinen Richtwert gibt es nicht. Wenn Sie Bedenken haben, dann beobachten Sie Ihr Kind genau: Ist es jede Woche mehr als 30 Stunden online? Schottet es sich von seinen Freunden ab? Lässt seine schulische Leistungsfähigkeit nach? Ist es gereizt, wenn der Zugang zum Computer einmal nicht möglich ist? Natürlich gibt es Zeiten, in denen ein neues Computerspiel besonders viel Aufmerksamkeit bekommt – das ist ganz normal. Sollten diese Faktoren aber überhand nehmen, so sollten Sie sich unbedingt fachmännischen Rat holen.